Dienstag, 20. April 2010

"Darum" zum Ersten!

So, nun ist es leider an der Zeit, diesen Blog zu schliessen. Es ist definitiv nicht so, dass die Lust am Schreiben mir gänzlichst verloren gegangen wäre, im Gegenteil; aber es wird mir nicht mehr gestattet sein, das Schreiben. Gestern Nacht habe ich jemanden umgebracht und morgen oder übermorgen werde ich mich wohl der Polizei stellen und ein Geständnis ablegen. Wen ich getötet oder warum ich das getan habe, spielt keine Rolle, geplant war es schon lange. Zu dieser, meiner Tat werde ich stehen und die Strafe dafür akzeptieren! Die Frage, ob man mir das zugetraut hätte, stelle ich hier lieber nicht; Jan hat man sie nicht!

In Daniel Glattauers Buch "Darum" geht es um einen Mann: Jan Haigerer ist ein richtig netter Kerl. Aber unter der Fassade des hilfsbereiten, intelligenten und freundlichen Journalisten schlummert der Abgrund der Krise; die Beziehung zu seiner großen Liebe ist gescheitert, der Beruf erfüllt ihn nicht mehr und der Alltag ist bloß noch eine sinnentleerte Zumutung.

Dann geschieht das Unfassbare; er erschiesst eines Nachts einen wildfremden Menschen, ohne erkennbares Motiv, und keiner glaubt ihm seine Tat. Erst als die Indizienlast erdrückend ist, wird er, immerhin, verhaftet. Aber auch in dem darauffolgenden Prozess wird er nicht als Mörder anerkannt. Immer wieder tauchen Zeugen auf, die ihn entlasten: Jan kann ganz einfach kein Mörder sein, weil in ihm keiner den Mörder sehen will. Da helfen auch Jans immer neue Selbstanschuldigungen nicht. Nicht nur sein Leben scheint Jan entglitten zu sein - auch seine große Tat, sein eigener Mord, soll ihm genommen werden.

Daniel Glattauer, welchen ich schon einmal in den Himmel gelobt habe, hat meiner Ansicht nach mit "Darum" einen beachtenswerten, pointierten, kafkaesken Roman geschrieben, welcher gerissen die Themen Schuld und Sühne, Eigen- und Fremdbild und Liebe und Erfüllung reflektiert, und dabei, quasi so nebenbei, auch den Einfluss der Medien auf die Justiz hinterfragt. Seine latente Ironie ist herrlich und während des Lesens habe ich definitiv regelmässig laut aufgelacht.

Dass mich dieses Werk des "geständigen Mörders" gewisse Parallelen zu Kafkas Prozess erkennen lässt, wird sicherlich für Glattauer sprechen, allerdings keineswegs gegen Kafka. Aber Haigerers Kampf für die Verurteilung scheint genauso aussichtslos, wie Josef K's Kampf gegen sein Urteil zu sein. Prädikat: Eines jener Bücher, wo ich mir gedacht habe: Schade, dass ich es schon gelesen habe. Unbedingt lesenswert!

Ach ja, und um Missverständnissen vorzubeugen: der erste Abschnitt war natürlich reine Erfindung!!!

Daniel Glattauer, "Darum", erschienen im Februar 2003, ISBN-10: 3216306771, ISBN-13: 978-3216306777

Kommentare:

Heike hat gesagt…

Hi , mit dem Roman hatte ich auch schon mal geliebäugelt so zu sagen..aber dann doch abstand genommen..das du weiter bloggen willst ist gut :-)
gruß Heike

klaeui hat gesagt…

Ach ja, und um Missverständnissen vorzubeugen: der erste Abschnitt war natürlich reine Erfindung!!!
gut, dass du das nochmals erwähnt hast. nach dem ersten abschnitt war ich plötzlich unsicher was nun stimmt und nicht stimmt... doch danach wurde es immer klarer :-)

schwarzer kafka hat gesagt…

Liebe Heike, versuch es noch einmal :-) und danke für deine Aufmunterung zum Weiterbloggen. Liebe Grüsse, Natalie

@Klaeui: gell und man weiss ja nie, wer hier noch mitliest. plötzlich stehen die uniformierten vor der türe :-)

alexx hat gesagt…

die ersten zeilen waren sehr überzeugend!