Donnerstag, 11. November 2010

Konfetti, Kotze und Kostüme!

Nun, heute beginnt sie, die närrische Zeit. Leider kann ich mit diesem Jahresabschnitt absolut gar nichts anfangen. Was mir bleibt: gewisse Orte zu meiden und den Aschermittwoch abzuwarten. Dann ist nämlich nicht alles vorbei, nein, dann fängt das Leben wieder an!

Patrik Etschmayer hat seine Gedanken zur "lustigen Zeit" in einem Text wunderbar festgehalten. Diesen Text möchte ich euch auf gar keinen Fall vorenthalten, denn wo er recht hat, hat er recht:

"Das beginnt schon damit, dass die ganze Sache eindeutig zur falschen Jahreszeit stattfindet. Natürlich, es ist ein Fest, das sich auf die Fastenzeit im christlichen Kalender bezieht... aber, bitte Jungs: Wer fastet denn heute noch 40 Tage lang nach der Fasnacht? Vor allem von den Fasnächtlern selbst? Ein einstelliger Prozentwert wäre da sogar eine Überraschung.
Also, warum falsche Jahreszeit? Ratet mal, warum der Karneval in Rio so weltberühmt ist? Nicht zuletzt weil er sexy ist. Hier hingegen müssen Kostüme praktisch arktisfest sein. Wer durch Schneegestöber stapfen muss, schafft es einfach nicht, dabei toll auszusehen!

Und da geht es weiter. Verdammte Konfetti. Was ist lustig daran, andere Leute mit Papierschnitzel anzuschmeissen? An der Fasnacht gilt dies plötzlich als sauglatt. Durch unsere klimatischen Verhältnisse vermischen sich die Schnitzel lustigerweise mit dem Schneematsch, so dass man das Zeug mit sich rumschleppt, ob man will, oder nicht.


Dann natürlich die Kotze. Es scheint ja Grundregel zu sein, dass ein nicht unwesentlicher Faktor des ausgelassenen Feierns darin besteht, mehr zu saufen als das der Magen aushält. Innenstadtbewohner können ein Liedchen über die Verzierungen singen, die zwischen schmutzigem Donnerstag und Aschermittwoch in besonderer Konzentration Trottoirs und Fussgängerzonen zieren. Auch die Scherbenkonzentration – ohnehin ein ständiges Ärgernis – nimmt noch weiter zu. Wenigstens ist es zu kalt für leichtes Schuhwerk, sonst würde vermutlich mancher mit Splittern im Fuss in den Notfall humpeln müssen.

Im Zentrum der Fasnacht steht aber die Kostümierung und Verkleidung der Teilnehmer. Unter der Maske scheinen alle Biedermänner zu Brandstiftern zu werden - oder dies zumindest zu glauben. Endlich können sich Sachbearbeiter und Tippsen aus ihrer Haut wagen und sich bei Fasnachtsfeiern begrapschen und sich beim Zug durch die Gassen so richtig gehen lassen. Da wird – wenn grad kein Polizist in der Nähe ist – an Laternenpfähle uriniert und mitten in der Nacht laut herum gegröhlt. Mithin das Benehmen, für das dieselben Leute zu jeder anderen Jahreszeit ein Einschreiten der Ordnungskräfte und die Wegweisung der Übeltäter aus der Gemeinde fordern würden. Handelt man allerdings verkleidet und voll wie eine Strandhaubitze auf diese Weise, so ist das völlig in Ordnung.

Kulturforscher und Soziologen werden einem - hat man einmal eine solche Klage vom Stapel gelassen - sagen, dass Fasnacht, Karneval und all diese Feste ein notwendiges gesellschaftliches Ventil seien, durch welche die unterdrückten Volksmassen einmal im Jahr ihren Frust ablassen können. Es seien Mittel, die hierarchische Gesellschaften auf den Kopf zu stellen und sich von Konventionen befreien vermögen. Dies mag ja in der mittelalterlichen Ständegesellschaft seine Gültigkeit und Notwendigkeit gehabt haben, aber heutzutage? In Mitteleuropa? Sind wir wirklich noch so unterdrückt?

Natürlich ist es dem Autor klar, dass nur wegen seines Lamentierens die Fasnacht ebensowenig verschwinden wird, wie die Schwerkraft oder Micheline Calmy-Rey."

1 Kommentar:

Roger hat gesagt…

Das ist definitiv auch nicht meine Welt. Da verkriech ich mich auch lieber hinter einem Buch, gehe in ein Konzert oder flüchte.